Wir träumten vom Sommer: Roman
Orange und Polyester, das war mein erster Eindruck von dem Cover. Ich war zwar zu jung um zu protestieren, bekam es aber am Rand bereits mit, was da lief. Und ich erinnere mich an die schauderhaft hautunfreundlichen Synthetikklamotten der Zeit.
Wie gesagt nur am Rande, da es damals kaum Fernseherlaubnis für uns jungen Leute gab und andere Medien eh nicht.
Dieses Buch kam da genau richtig um mal diesen Teil der deutschen Geschichte kennenzulernen.
Amrei ist mittendrin. Diskutiert mit, politisiert und ist privat emotional zwischen dem Protestler David und dem Polizisten Wastl gefangen.
Man wird an die Proteste der jungen Aktivisten von heute erinnert, die aber vor allem medial in ganz anderen Zeiten leben. Aber grundsätzlich hat sich nichts verändert, vor allem : sind wir wirklich weitergekommen?
Zurück zum Buch. Eine der mir am wichtigsten Botschaften ist die Figur der Großtante Annamirl. Sie hat das eigenständige Leben ganz unauffällig für sich gelebt, aber auch manchen Preis dafür gezahlt. Und das ohne Stundenteunruhediskussionen.
Eine gelungen Zugabe quasi ist das Schlusswort der Autorin. Ein kleiner Einblick in ihre Art zu schreiben, Recherche und eine Zugabe an Informationen , mit denen man das Buch irgendwie sogar upgraden kann.
Anders als vorgestellt
Ich wurde ins Jahr 1972 katapultiert...
- Wir träumten vom Sommer -
erschien am 27.Juli 2023 im List Verlag.
Es ist das neueste Buch der Schriftstellerin Heidi Rehn.
H. Rehn wurde 1966 in Koblenz/Rhein geboren. Später studierte sie Germanistik, Geschichte, Kommunikationswissenschaften sowie BWL an der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Heute lebt und arbeitet sie in München.
Zum Inhalt:
Die Handlung:
Amrei, eine junge Frau, die schon einiges erlebt hat. Nachdem Ihre Pläne sich nicht so ungesetzt werden konnten, wie sie es sich gewünscht hatte, verließ sie 1968 Deutschland & ging nach Paris.
Nun wird ein Traum für sie wahr. Sie kann als Hostess bei den Olympischen Spielen 1972 mitarbeiten.
Natürlich muss sie hierfür nach München zurückkehren. Und, nicht nur das.
Amrei muss feststellen, dass sich viel geändert hat und sogar aus vormaligen Kontrahenten, Freunde wurden.
Das Cover hat mich mit seinem Farbspiel und in seiner Gestaltung an die 70er Jahre erinnernde Titelbild, in seinen Bann gezogen.
Das Thema fand ich auch unglaublich spannend und konnte es kaum erwarten, dieses Buch in den Händen zu halten.
Mein persönlicher Eindruck
Für mich war das der erste Roman, den ich von dieser Autorin gelesen habe.
Erzählstil:
Das Buch liest sich gut. Bei einigen Abschnitten musste ich mich jedoch sehr konzentrieren. Da die Geschichte auf unterschiedlichen Zeitebenen erzählt wird. Das führte bei mir zu kleinen Irritationen, da die Abschnitte in ihrer Einordnung für mich nicht sofort zuordbar waren.
Personen:
Die Charaktere wurden gut gezeichnet und kontinuierlich weiterentwickelt.
Der Schwerpunkt dieses Romans liegt eher bei den handelnden Personen und nicht so sehr auf den geschichtlich, relevanten Details.
In einigen Abschnitten wiederholen sich die Informationen und dadurch verringerte sich mein empfundener Lesefluss und Tempo.
Zusammenfassung:
Insgesamt war das Buch sehr gut lesbar.
Leider wurde meine Erwartung, mehr von den Olympischen Spielen und den Unruhen als Schwerpunkt der Story wiederzufinden, enttäuscht.
Die Interaktionen der Charaktere wurden gut wiedergegeben waren jedoch mitunter repetitiv.
Ich würde das Buch eher dem Sozialroman - Genre zuordnen und nicht dem Historische Bücher - Gerne.
Für mich war die getroffene Zuordnung irreführend und somit Auslöser meiner Enttäuschung.
Fazit:
Ich habe das Buch wirklich gern gelesen.
Die kleinen o.g. Minuspunkte haben das Gesamterlebnis nur zu einem geringen Teil negativ beeinflusst.
Ich gebe sehr gute 4 Lesesterne & verbinde diese mit einer Leseempfehlung an all' jene, die gern auf ihre Erlebnisse in der Zeitspanne zurückdenken und in eben diese Erinnerungen eintauchen möchten.
Verlag: List
ISDN: 9783471360569
Formate: Gebundene Ausgabe und elektr. Format